Responsive image

on air: 

Dirk Sluyter
---
---
Radio Bielefeld Nachrichten

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe ist ein Schock

Diebe haben wertvolle Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen - einer weltberühmten Schatzkammer. Der Einbruch wirft auch Fragen nach der Sicherheit auf.

Eine Art Weltkulturerbe

Dresden (dpa) - Bestürzung, Kopfschütteln, ungläubige Gesichter: Vor den Türen des Dresdner Residenzschlosses stehen am Montagmorgen zahlreiche Besucher vor verschlossenen Türen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Museum aus «organisatorischen Gründen» geschlossen bleibt.

Die Nachricht ist ein Schock: Es gab einen spektakulären Kunstraub in Dresdens weltberühmter Schatzkammer - dem Grünen Gewölbe. Drei Juwelengarnituren ließen die unbekannten Diebe aus der Schmucksammlung mitgehen. Stücke von unschätzbarem Wert.

«Es ist bedrückend, dass man in solche Einrichtungen überhaupt einbrechen kann», sagt der 77 Jahre alter Holger Heidrich, ein Kunstliebhaber mit Jahreskarte für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), sichtbar fassungslos. Er habe immer geglaubt, die Kunstschätze seien «bombensicher», so Heidrich.

So sicher sind die Schätze im Grünen Gewölbe, das Juwelen, Diamanten und andere wertvolle Kunstschätze beherbergt, offenbar nicht: Die Polizei berichtet von Aufzeichnungen der Überwachungskamera, die im Juwelenzimmer zwei Einbrecher zeigt. Offenbar konnten die Diebe am Montagmorgen gegen 05.00 Uhr durch ein Fenster Richtung Schlossplatz einsteigen, haben dafür das Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Zielsicher seien sie auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zerschlagen.

Bisher sind die Täter auf der Flucht. Wie konnten die Täter in das Residenzschloss eindringen? Der Einbruch wirft auch Fragen nach dem Sicherheitskonzept auf.

Das Juwelenzimmer gilt als der prachtvollste Raum des Grünen Gewölbes. Täfelungen, Spiegel, Türbekrönungen mit Kurhut und Königskrone, Pilaster und Marmorfußboden wurden nach historischen Quellen rekonstruiert. In vier Hightech-Vitrinen liegen verschiedene Kostbarkeiten mit Brillanten, Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren - darunter der weltgrößte blaue Stein dieser Art. Im Juwelenzimmer befinden sich auch die «Juwelen der Königin»: drei Meter Diamanten und Brillanten auf tiefdunkelblauer indischer Rohseide.

Der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, bezeichnet die gestohlenen Juwelen als eine «Art Weltkulturerbe». Es gebe nirgendwo in Europa eine Juwelengarnitur in dieser Form und Qualität, die Diamanten seien im 18. Jahrhundert geschliffen worden.

Der Schock sitzt tief: Mitarbeitern der Staatlichen Kunstsammlungen stehen am Montag die Tränen in den Augen. Innenminister Roland Wöller (CDU) spricht von einem bitteren Tag für das kulturelle Erbe in Sachsen, Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) sieht alle Sachsen als Opfer des Einbruchs. «Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.»

Das Historische Grüne Gewölbe ist eines der weltberühmten Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ein barockes Gesamtkunstwerk. In den im Zweiten Weltkrieg zerstörten und prachtvoll rekonstruierten Räumen des Residenzschlosses sind rund 3000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen und Elfenbein zu sehen. Das 1723 bis 1729 eingerichtete Prunkstück der Kunstsammlung des legendären Kurfürst-Königs August der Starke (1670-1733) gilt als eine der reichsten Schatzkammern Europas.