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Dirk Sluyter
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Radio Bielefeld Nachrichten

Geilenkirchen schwitzt und genießt seinen Ruhm

Zum Rekord gibt es Eis für die ganze Verwaltung: Ganz Geilenkirchen schwitzt und freut sich über den Rekord als deutsche Hitze-Hauptstadt.

Große Werbung für kleine Stadt

Geilenkirchen (dpa) - Georg Schmitz mag eigentlich keine Hitze. Nicht über 30 Grad. Trotzdem freut sich der Bürgermeister, dass Geilenkirchen bundesweit jetzt als «Hitze-Stadt» bekannt geworden ist, die alle bisherigen Rekorde bricht.

«Für den Ruhm nehme ich das Schwitzen in Kauf», sagt der 68-Jährige in seinem Büro. Der Raum ist abgedunkelt, der Ventilator läuft. Schmitz trägt eine lange Jeans - so fühlt er sich am wohlsten.

Nach dem Hitzerekord vom Mittwoch, den der Deutsche Wetterdienst am Donnerstag anerkannte, ist Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen so etwas wie die deutsche Hitze-Hauptstadt.

Dank des Rekordwerts von satten 40,5 Grad ist die Kleinstadt nahe der niederländischen Grenze bundesweit im Gespräch. Auch wenn das Wetter den Job macht und nicht der Chef im Rathaus: «Als Bürgermeister der heißesten Stadt Deutschlands ist man schon stolz», sagt Schmitz.

Die 40,5 Grad wurden am Mittwoch auf dem Nato-Flughafen an einer Messstation der Bundeswehr verzeichnet. Die bis dahin bundesweit heißesten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren mit 40,3 Grad im Jahr 2015 in Kitzingen in Bayern gemessen worden.

«Bisher wurde immer Kitzingen als die heißeste Stadt genannt. Jetzt heißt es Geilenkirchen», sagt der Bürgermeister - wohl wissend, dass selbst viele in Nordrhein-Westfalen erst mal gucken müssen, wo dieses Geilenkirchen denn liegt. «Wir sind die westlichste Kleinstadt Deutschlands», erklärt er. Nordwestlich von Aachen, 29.000 Einwohner, «steigende Tendenz», beachtlich viele amerikanische Touristen, die Verwandte auf der Air Base besuchen und in die kleine Stadt kommen.

Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller zeigt sich am Donnerstag mit gemischten Gefühlen. Ein bisschen traurig sei er schon, wenn Kitzingen den Rekord verliere, «weil der Bekanntheitsgrad unserer Stadt weit über die Landesgrenzen von Bayern hinaus schon eine tolle Geschichte war». Man müsse aber auch die negativen Folgen einer solchen Hitze beachten. «Ich denke, dass wir in Zukunft gar nicht mehr so nach Rekorden streben sollten, sondern eher mal das Klima im Auge behalten sollten.»

In Geilenkirchen war es in der Vergangenheit immer schon mal heißer als anderswo im Land, erzählt Rathaus-Chef Schmitz. Als dann Anfang der Woche die Hitzewelle angekündigt wurde, wappnete der parteilose Bürgermeister seine Verwaltung: Er bestellte für die Mitarbeiter erst einmal eine ganze Ladung Mineralwasser. Am Tag darauf entschied er, dass die Männer in kurzen Hosen zur Arbeit kommen können. «Die Frauen ziehen sich bei einem solchen Wetter ja eh luftiger an», sagt er.

Natürlich wird der Rekord gefeiert: Für die ganze Belegschaft gibt es Eis, drei Kugeln - nacheinander, Amt für Amt. Diana De Pellegrin in der Eisdiele ist auf den Ansturm vorbereitet. «Die Klassiker Schokolade, Vanille, Erdbeere gehen ja immer», sagt sie. Der Kundenandrang hält am Morgen aber noch in Grenzen. «Jetzt ist es den Leuten einfach zu heiß», sagt die Eis-Verkäuferin.